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"Mit Fortissimo zum Erfolg" - Jeffry van Ede Aus geschäftlicher Schieflage hat Jeffry van Ede Sony wieder stabil aufgestellt. Zum Ende der IFA erklärte er hitec HANDEL, warum Sony jetzt besser da steht, wie es mit der Marke weiter geht und wo er noch Potenziale sieht.
Jeffry van Ede: Ja, als ich im Januar 2008 zu Sony Deutschland kam, habe ich viel Handlungsbedarf vorgefunden. Zufrieden bin ich, wenn ich die gesetzten Ziele erreiche. Ich weiß natürlich, dass man in sechs Monaten nicht alles erreichen kann. Wenn ich allerdings betrachte, wo wir jetzt stehen beziehungsweise welche Schritte wir machen, bin ich sehr zufrieden. Ich habe das ja immer ‚eine Reise’ genannt, die hoffentlich zu einem schönen Ort führt.
Jeffry van Ede: Genau. Und für mich ist wichtig, dass wir Schritte machen, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen und zwar mit der richtigen Geschwindigkeit. Unser langfristiges Ziel, um einen Prozentpunkt zu wachsen, sieht nach Abschluss des
Jeffry van Ede: Für das erste Jahr hatte ich ja 10 bis 15 Prozent Wachstum als Ziel vorgegeben. Im ersten Quartal hat sich unser Consumer Audio Video-Bereich (CAV) um 30 Prozent gesteigert. Da war kein Euro dabei, das sage ich mit der Hand auf dem Herzen, mit dem wir Marktanteile gekauft haben. Und dabei bleibe ich auch.
Jeffry van Ede: Da geschieht unglaublich viel, einige Dinge brauchen jedoch Zeit. Aber auch hier sind wir in Bewegung. Wir haben ein großes Programm innerhalb der Sony Deutschland GmbH aufgebaut – wir nennen es das „Philharmonie-Programm“, denn ich bin auf der Suche nach dem Einklang. Es besteht aus unterschiedlichen Projekten wie „Crescendo“ oder „Fortissimo“. Letzteres fokussiert zum Beispiel die innere Organisation bzw. die Kultur innerhalb Sonys. Denn bevor wir uns nach außen ändern, müssen wir das intern „leben“. Zu dem Projekt haben sich 100 Mitarbeiter freiwillig gemeldet und während wir jetzt reden, arbeiten diese 100 Mitarbeiter daran, unsere interne Kultur und unseren Teamgeist zu verbessern. Andere Projekte konzentrieren sich auf die Zusammenarbeit mit dem Handel. Das Ziel der „Crescendo“ Arbeitsgruppe ist etwa, dass wir wieder einen Innendienst aufbauen. Und innerhalb dieses Themas ist für mich das Dreieck Kunde, Außendienst und Innendienst wichtig. Die Umsetzung geht jetzt unmittelbar nach der IFA los. Mein Stil ist dabei nicht, von oben herab zu entscheiden, wie die Dinge sein sollen - obwohl ich genaue Vorstellungen davon habe. Aber ich möchte, dass die Ideen von den Mitarbeitern selbst entwickelt werden und wir dann gemeinsam darüber reden. Das dauert etwas länger, aber es kommt dann von den Menschen und wird durch die Menschen auch getragen und unterstützt. Die Mitarbeiter übernehmen somit Verantwortung, also Ownership, für die Ideen und das ist mir sehr wichtig.
Jeffry van Ede: Eindeutig ein F. Ich möchte ein zuverlässiger Partner sein. Sprich, das was ich sage, tue ich auch. Daran arbeiten wir, aber auch das ist ein Thema, das ich nicht von einem auf den anderen Tag ändern kann. Ich war unlängst mit 50 Händlern in Japan. Das ist ein Anfang, weil ich es nicht mit Kanälen zu tun hatte, sondern mit 50 Fachhandelspartnern. Wir haben nicht über Ziele oder Margen gesprochen, sondern darüber was Partnerschaft ist und was wir voneinander erwarten können. Das ist vergleichbar mit den Wellen, die ein Stein erzeugt, den ich ins Wasser werfe. Ich kann nicht mit allen Händlern gleichzeitig eine Fachhandelsstrategie umsetzen. Deshalb haben wir uns zunächst auf 50 konzentriert. Und das waren nicht nur die größten, darum geht es mir nicht. Im nächsten Monat machen wir das wieder mit dem Fotofachhandel. Wir schauen uns eine Sony Fabrik an, haben aber auch viel Zeit, um bei einem Glas Wein auf Augenhöhe miteinander zu reden. Ich möchte nicht einfach nur Trainings und PoS-Maßnahmen platzieren – echte Partnerschaft ist mehr.
Jeffry van Ede: Ja. Denn bei jedem Partner, den wir einladen, sei es nur auf eine Tasse Kaffee, bin ich dabei. Natürlich reden wir dann auch über Umsatzziele. Aber mir ist es wichtig, dass der Händler die Marke Sony verkaufen will und nicht nur den Karton. Und das sind nicht immer die größten Händler. Und noch etwas: Viele Kleine ergeben auch ein großes Ganzes. Umsatz ist okay, aber die Wertschätzung für die Marke ist mir wichtiger als die Größe des Lagers.
Jeffry van Ede: Das Erste, was immer auf den Tisch kommt, hat mit der Marge zu tun. Das verstehe ich auch, denn die Händler müssen ja auch ihr Geld verdienen, Aber was als nächstes kommt, auch unlängst in Japan, ist das Thema der hohen Personalfluktuation bei Sony Deutschland in den letzten Jahren. Und deshalb gab es keine richtige bzw. kontinuierliche Beziehung mit und zu Sony. Und es ist egal wie viel Umsatz dabei gedreht wird, Handel ist eine Sache von Mensch zu Mensch. Das hat zu tun mit Vertrauen, mit Respekt und mit Geben und Nehmen. Und das hat in der Vergangenheit bei Sony etwas gefehlt. Da fehlte auch das Vertrauen zu sagen, jetzt geht es mir nicht gut und du musst mir helfen oder andersherum. Ich bin sehr froh, dass mir die Händler gesagt haben, dass sie von Sony wieder Stabilität erwarten, dass sie die Mitarbeiter bei Sony wieder kennen und ihnen vertrauen können. Und dann kam immer die Frage Herr van Ede wie lange wollen sie denn bleiben? Die Antwort ist: Ich möchte lange bleiben, denn es gefällt mir sehr gut.
Jeffry van Ede: Ich habe gerade gestern Abend mit meiner Frau darüber gesprochen. Meine Familie kommt nach Berlin, aber im Moment gibt es noch ein kleines Problem wegen der Kinder. Es gibt keine holländische Schule in Berlin. Der Unterricht ist entweder in Englisch oder Deutsch. Englisch können beide noch nicht, Deutsch auch nicht. Daher haben wir beschlossen, dass beide in Holland jetzt anfangen Deutsch zu lernen und spätestens in einem halben Jahr nach Berlin ziehen.
Jeffry van Ede: Mein Eindruck ist, dass mehr über Preise geredet wird, als in anderen Märkten. Natürlich liegen auch in England oder Frankreich die Flyer der Großflächen aus, die sagen, dass dieses oder jenes Produkt zu diesem Preis zu haben ist. Aber in Deutschland ist das von extremer Bedeutung, über den Preis zu reden. Und mir fällt auf, dass im deutschen Handel immer noch eine Trennung der Produktkategorien besteht: hier die Fernseher, da DVD-Player und weiter hinten Home Theatre. Man nutzt einfach den Vernetzungsgedanken zu wenig. Etwa bei Home Theatre ist die Akzeptanz und auch die Vernetzung mit dem LCD-Fernseher die niedrigste in Europa. Oder Bluetooth: Fast jedes mobile Gerät verfügt über Bluetooth und kann andere Geräte steuern. Wir schöpfen so nicht das volle Marktpotenzial aus. Es geht noch zu sehr um Produkt und Preis und nicht, wie etwa bei High Definition, um die Möglichkeiten, die ein HD-Camorder oder ein Blu-Ray Player bieten. Interessant ist auch, und das können wir an den Reparaturkosten sehen, dass in Deutschland ein Fernseher erst zwei Mal kaputt gehen muss, bevor er erneuert wird. Was mich sehr positiv überrascht, ist die Vielfalt an Fachhandelsgeschäften in Deutschland. Verwunderlich ist jedoch, dass wir bei der Vielfalt nicht mehr aus dem Geschäft machen. Wir haben definitiv die Händler, die das können.
Jeffry van Ede: Dazu trägt zum Teil auch die Presse bei. Wenn ich heute lese, dass „Blu-Ray noch immer zu teuer“ ist, muss ich erwidern: Das ist HighTech mit hohen Entwicklungskosten, das ist Magie! Dabei ist ein Blu-Ray-Player heute schon günstiger als der DVD-Spieler im vergleichbaren Lebenszyklus. Und dann sagt die Presse: Warte lieber Konsument, denn es ist noch zu teuer. Das verstehe ich nicht.
Jeffry van Ede: Das war auch eine Frage, die während der Händlerreise nach Tokio auf den Tisch kam. Denn viele Händler haben früher selber reparieren können. Das will ich alles noch einmal evaluieren. Das Thema ist meine persönliche Herausforderung für die nächste Zeit.
Jeffry van Ede: Sony United ist ein Thema mit viel Potenzial. Die Zusammenarbeit mit Sony Music, Sony Ericsson oder Sony Pictures wird noch intensiver werden. Letzte Woche war die Geschäftsführerin von Sony Pictures bei mir. Sie hat alle neuen Movies auf Blu-Ray Disc, wir haben die Hardware. Da muss man kein Raketenwissenschaftler sein, um zu begreifen, dass da noch viel mehr Synergien möglich sind. Wir müssen uns, im Interesse der Kunden, besser vernetzen, um attraktivere Angebote machen zu können. Auf der IFA haben wir es wieder sichtbar und erlebbar demonstriert, dass Sony United funktionieren kann.
Jeffry van Ede: Sony ist eine A-Marke. Und eine A-Marke gehört auf die IFA mit einem entsprechenden Auftritt. Denn auf der IFA kommen Konsumenten, Händler und Marke zusammen. Und da müssen wir präsent sein in einer Art, die dem Wert der Marke entspricht. Konsumenten können Sony als Produkt im Handel oder im TV-Spot wahrnehmen, aber ein Mal im Jahr auf der IFA können sie uns „anfassen“. Und das soll für alle ein möglichst gutes Gefühl sein. Die IFA ist darüber hinaus auch wichtig für die Mitarbeiter. Jeder bekommt IFA Tickets für seine Familie. Ich habe allen gesagt: Nimm Deine Frau, Deinen Partner oder Deinen Cousin aus Australien mit. Denn es gibt nichts Schöneres als mit Stolz sagen zu können: Hier arbeitet Dein Vater, hier arbeite ich. Das war auch die Forderung bzw. der Wunsch meiner Antrittsrede bei Sony. Alle hatten erwartet, dass es direkt um Umsatzziele und Marktanteile gehen würde – was ich jedoch primär möchte ist, dass die Mitarbeiter stolz sind auf die Marke Sony.
Jeffry van Ede: Die IFA hat in jeglicher Hinsicht unsere Erwartungen übertroffen. Sowohl die Konsumenten als auch die Handelspartner waren von unserem außergewöhnlichen Standkonzept und der Präsenz auf über 6000 m2 begeistert. Die Marke Sony wieder auf der IFA anzutreffen hat durchweg positive Resonanz hervorgerufen. Darüber hinaus haben wir die richtigen Produkte, die unterstreichen, dass Sony wieder ganz vorne mitspielt in punkto Technologieführerschaft. Die Resonanz auf unser Line-up, insbesondere die BRAVIA 200 Hertz Technologie, OLED TV und die mit 9,9 Millimeter flachsten LCD Fernseher war überwältigend. Hinzu kommt, dass die wichtigsten Produktneuheiten, die wir auf der IFA präsentiert haben, noch in diesem Herbst im Handel erhältlich sein werden. Das ist für unsere Handelspartner ein wichtiges Argument für das Weihnachtsgeschäft. Kurzum: Wir haben viele konstruktive Gespräche geführt und die Auftragsbücher gefüllt. Ich bin sehr zufrieden.
Jeffry van Ede: Ich bin unheimlich stolz darauf, was die Mitarbeiter in den letzten Monaten erreicht haben. Das bin nicht ich, sondern die Mitarbeiter, die das erreichen. Deshalb schreibe ich mir jede Woche in einem kleinen Buch auf, was wir erreicht haben. Statt den Fokus auf das zu legen, was noch nicht gut funktioniert, schaue ich auf die kleinen Dinge, die wir verbessert haben, wie etwa den Rückgang der Kundenbeschwerden um zehn Prozent. Dies sind Tausende Kunden und das muss man auch feiern. Und das tun wir bei Sony. Wir kommen quartalsweise zusammen und teilen den Erfolg. Kurzum: Ja. Ich liebe Berlin. Ich liebe Sony Deutschland und ich möchte hier lange, lange bleiben.
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ersten Quartals mehr als realistisch aus und ich bin positiv überrascht, was wir vom Markt mehr zurück bekommen. Aber ich bin immer vorsichtig. Kurzfristige Ziele haben für mich keine so große Bedeutung. Zusammenfassend: Ja, ich bin sehr zufrieden.