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"Handy-Bude war gestern" - Ralf-Peter Simon zur TPH-Expansion

Best Buy kommt nach Deutschland? Best Buy ist schon da! Gemeinsam mit dem britischen Partner Carphone Warehouse probt man bereits den Einstieg in den europäischen Markt. Das Filialnetz der „Neu-Tochter“ The Phone House (TPH) soll in Europa auf 3.000 Standorte ausgebaut werden, davon auf 500 in Deutschland. hitec HANDEL sprach mit Dr. Ralf-Peter Simon, Vorsitzender der Geschäftsführung (CEO) The Phone House Telecom GmbH, über den Markt, die Expansion und die Bedeutung von Service in Deutschland.

Herr Dr. Simon, in deutschen Innenstädten herrscht wahrlich kein Mangel an Telefonläden. Trotzdem soll die Zahl Ihrer The Phone House Standorte von derzeit 210 in 3 Jahren auf 500 steigen. Macht das Sinn?

Simon: Sie haben Recht, Handy-Shops gibt es schon zu viele. Aber es handelt sich dabei mehrheitlich um Mono-Marken-Läden, also Netzbetreiber-Shops. Wir glauben, dass es künftig nicht mehr möglich sein wird, zahlreiche dieser Mono-Marken-Shops rentabel zu betreiben. Wir gehen davon aus, dass sich die Netzbetreiber auf eine geringere Anzahl von Top-Lagen beschränken werden und sich aus kleineren Städten sowie aus Stadtteilen sukzessive zurückziehen werden. Als Multi-Marke sowie mit einem deutlich breiteren Produktportfolio kann The Phone House viele dieser Lagen jedoch sehr wohl betreiben. Damit ist auch den Netzbetreibern und den Kunden geholfen, denn ihre Anlaufstelle bzw. ihr Marktzugang bleibt durch uns erhalten.

Was können Sie denn besser als die Telekommunikationskonzerne?

Simon: Der Grund für diese Entwicklung liegt in der fortschreitenden Marktpenetration im Mobilfunk. Ein Netzbetreiber adressiert mit seinem Spektrum nur 20 bis maximal 40 % des Marktes - wir haben alle Marken aus Mobilfunk und DSL, mit denen wir den gesamten Markt ansprechen. Damit sind wir auch in Zukunft ein zuverlässiger Partner für die Netzbetreiber und bieten unseren Handels- und Franchise-Partnern zukunftssichere Verdienstchancen.

Es gibt aber nicht nur Marken-Filialen von Telekom und Vodafone,
sondern auch von einem deutlich gewachsenen Service-Provider …

Simon: … der sich bereits als drittes Netz in Deutschland sieht und insofern - durch eine Serie von Übernahmen und Zusammenschlüssen - von der Kundenzahl und der Zahl der Filialen her quasi in der Kategorie der Netzbetreiber mitspielen kann und will. Das ist nicht für alle Netzbetreiber eine gute Nachricht. Demgegenüber verfolgt The Phone House einen anderen Weg und konzentriert sich auf die Originalprodukte aller Netze.

Letztlich verkaufen aber doch alle nur Handys mit Karte bzw. Vertrag, oder?

Simon: Unser Konzept hat sich längst aus der Ecke der ‚Handy-Bude’ heraus weiterentwickelt. Wir haben als erster ein breites DSL-Produktangebot integriert und reservieren heute bereits ca. 30 % der Fläche für Mobile Data und Laptops. Hier sehen wir vor allem durch den Web-Book-Boom weiteres Entwicklungspotenzial. Der Mobilfunk- oder DSL-Anschluss ist dabei letztlich nur das Zugangsprodukt zur vernetzten Welt. Ein Laptop ohne Netzzugang ist für den Endkunden nicht nur „der halbe Spaß“, sondern im Prinzip wertlos. Wir haben die Lösung, egal ob Mobilfunk oder Festnetz basiert, über alle großen Marken.

Können dieses Business die Flächenmärkte nicht besser als Ihre kleinen Nahversorger-Läden?

Simon: Discounter setzen vor allem auf Preismarken, die Flächenanbieter setzen auf ein erschlagendes Produktangebot gepaart mit einzelnen Top-Preisen. Wir glauben, dass ein Großteil der Kunden mit einer repräsentativen Vorauswahl an Laptops, in Verbindung mit Top-Beratung, nutzungsbereiter Installation und günstigen Zugangstarifen letztlich glücklicher ist. Und die Top-Preise können wir – nicht zuletzt durch Best Buy – mitgehen. Wir sind Teil einer Gruppe, die etliche Millionen Handys im Jahr verkauft und zu den weltweit größten Computerhändlern zählt. Das gibt Kompetenz im Einkauf. Aber der Preis ist nicht das Unterscheidungsmerkmal, an dem wir uns messen wollen.

Jeder hat schon mindestens ein Handy und auch die Haushaltsausstattung mit PC oder Notebook nähert sich Sättigungsgrenzen. Wenn nicht im Ersatzgeschäft - wo liegt das Potenzial?

Simon: Die Beratung der Kunden und die Unterstützung bei der Inbetriebnahme werden immer wichtiger. Der Bedarf für Dienstleistung ist da, weil die Komplexität und die Innovationsrate zunehmen. Machen wir uns nichts vor: Die Geräte und Anwendungen sind heute nicht ‚plug and play’ und mindestens 80 % der Bevölkerung brauchen Unterstützung, wenn das Mobiltelefon mit dem Rechner "sprechen" soll. Außerdem haben die Kunden nicht alles von einem Hersteller, sondern Hardware und Dienste unterschiedlicher Marken und Anbieter. Die Werbung verspricht dem Kunden zwar oft Komplettlösungen, die er sich so aber niemals komplett kauft. Dosen verkaufen kann jeder. Die Vernetzung vorhandener und neuer Teile einer Lösung erfordert Kompetenz.

Und diese Kompetenz haben TPH-Läden?

Simon: Wir entwickeln hier ausgereifte Service-Portfolios und stellen diese in den Vordergrund unserer Kommunikation. Eigene Mitarbeiter sowie unsere Partner werden in unserer Akademie mit einem umfangreichen Qualifizierungsprogramm aufgebaut. Qualitätsstandards werden in eigenen sowie in Franchise-Stores durch ein einheitliches Prüf- und Entwicklungsprogramm gemonitort. Sicher, wir sind noch lange nicht am Ziel, aber von der Richtigkeit dieses Weges sind wir überzeugt. Beratungs- und Servicequalität war und ist die Kompetenz der "Nahversorger".

Das Franchiseprinzip, dass aus dem bisherigen Exklusivpartner-Modell heraus entwickelt wurde, beinhaltet für Ihre Partner mehr Verbindlichkeit und mehr Stringenz. Das dürfte nicht auf ungeteilte Gegenliebe gestoßen sein.

Simon: Unser Franchisekonzept ist ein sehr attraktives Modell, das für die Mehrzahl der Partner strategisch und wirtschaftlich die bessere Alternative ist. Es wird uns leicht fallen, davon zu überzeugen – wir wollen es nicht erzwingen. Die Neuakquisition zielt nur noch auf Franchising. Wir legen Wert darauf, dass "wo The Phone House d’rauf steht auch The Phone House Qualität d’rin ist".

Sie gehören jetzt zum größten Elektronik-Händler weltweit. Wie kann The Phone House Deutschland davon profitieren?

Simon: Es steckt sehr viel Handelsmacht, aber auch Know-how in diesem Konzern. Natürlich profitieren wir von der Einkaufskompetenz. Aber wir können auch konzeptionell viel lernen, beispielsweise von der Dienstleistungsvermarktung.
 
Keine Angst, im Best Buy Konzern unterzugehen?

Simon: Best Buy geht sehr planvoll und umsichtig vor und schätzt die Erfahrung der Carphone Warehouse-Gruppe in den lokalen Märkten. Wir waren ja auch bislang kein kleines Licht. The Phone House bzw. Carphone Warehouse ist in 9 europäischen Ländern mit rund 2.400 Shops präsent. Die entwickeln wir weiter – in Inhalt, Leistungsangeboten, Fläche und Anzahl.

Also eine Art sanfte Expansion …?

Simon: Wenn ein 40 Milliarden-Dollar-Konzern mit einer 2,1 Milliarden-Dollar-Investition auf einem neuen Kontinent einsteigt, dann meinen die das ernst. Wir gehen davon aus, dass die Expansion schrittweise, aber sehr entschlossen erfolgen wird.

Wann gibt es den ersten Großflächen-Markt unter Best Buy-Label in Europa,
wo ist der und wann kommt Best Buy nach Deutschland?

Simon: Vermutlich liebäugelt Best Buy mit allen Ländern, in denen Carphone Warehouse bzw. The Phone House bereits heute tätig sind. Aber einen konkreten Roll Out Plan für Großflächen-Märkte gibt es nach meinem Kenntnisstand noch nicht. Zum Teil wird spekuliert, Großbritannien würde der erste echte Best Buy-Markt in Europa, was ja für Amerikaner auch nahe liegend wäre. Aber welcher Händler würde sich hier in die Karten schauen lassen?

Herr Dr. Simon, vielen Dank für das Gespräch!


Best Buy
1966 eröffnete Richard Schulz im US-Staat Minnesota mit „Sound of Music“ den ersten Laden des späteren US-Konzerns. 1983 wurde das Unternehmen in Best Buy umbenannt, 1989 eröffnet der erste Großflächenfachmarkt moderner Prägung. Mit über 1.300 zumeist großflächigen Märkten erzielt Best Buy Co heute einen Jahrsumsatz von 40 Mrd. US-Dollar mit Hard-, Software und Dienstleistungen aus dem gesamten Elektro- und Elektronik-Sortiment. Das Nettoergebnis lag im vergangenen Jahr bei 1,4 Mrd. Dollar. Erst in 2001 begann die internationale Expansion des Elektronik-Filialisten mit der Übernahme des kanadischen Marktführers Future Shop, später kam die chinesische Five Star-Gruppe hinzu. Best Buy führt Eigenmarken wie Dynex, Geek Squad, Init, Insignia und Rocketfish. Seit 2006 betreiben Best Buy und die britische Carphone Warehouse (CPW) in den USA das Joint Venture Best Buy Mobile. Im März 2007 erweiterte man die Zusammenarbeit mit CPW auf Europa: Die Tochter Geek Squad bietet mit CPW einen Home Computing Support Service in Großbritannien an. 2008 investierte Best Buy bei CPW 2,1 Mrd. US-Dollar, um mit Best Buy Europe den Markteinstieg in Europa zu starten. 


The Phone House
The Phone House (TPH) ist ein „Vollsortiments-Nahversorger“ für Mobil- und Telekommunikation mit allen Netzen, Diensten und Produkten im Vermarktungs- und Beratungsangebot. TPH ist Marke der Carphone Warehouse und in 9 europäischen Ländern mit über 2.400 Shops präsent, davon gut 400 in Spanien und über 300 in Frankreich. Der Marktauftritt ist auf dem europäischen Festland einheitlich unter der Marke „The Phone House“, in Großbritannien und Irland nutzt man aufgrund der hohen Bekanntheit das Label Carphone Warehouse. In Deutschland ist The Phone House Telecom, Münster, mit 210 Shops vertreten, zwei Drittel davon als Filialen selbst betrieben. 500 Standorte vor allem auf Franchise-Basis sind mittelfristig geplant. Darüber hinaus betreibt The Phone House mit eigenem Personal rund 50 Telekom-Shops für die Deutsche Telekom. Bis 2010 soll die Zahl auf bis zu 100 erweitert werden. Der Umsatz lag im Geschäftsjahr 2006/2007 bei 675 Mio. Euro, das EBITDA bei 31,3 Mio. Euro.

Weitere Informationen:
www.phonehouse.de 
www.carphonewarehouse.com 
www.bestbuy.com 

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